Open Access – Closed Discourse or Open Knowledge?

Um 18 Uhr gehalten, jetzt online: Mein Vortrag Open Access – Closed Discourse or Open Knowledge? bei der Open Knowledge Conference 2011 über das Offenheitsprinzip der Open Knowledge Foundation (manifestiert in der Open Definition) und dem vergleichsweise konservativen und geschlossenen Offenheitsansatz im Open Access. Die wichtigste Frage lautet: “What can Open Access learn from the Open Knowledge Initiatives?”

Open Access in den Sozialwissenschaften

*** Update für Interessierte: Mittlerweile ist meine Dissertation zu diesem Thema erschienen: Open Science in der Soziologie – Eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme zur offenen Wissenschaft und eine Untersuchung ihrer Verbreitung in der Soziologie. ***

Open Access ist nach wie vor eine Publikationsstrategie, die stark die Begebenheiten im Bereich von Naturwissenschaften und Medizin berücksichtigt und die vor allem in diesen Fächern erfolgreich umgesetzt wird. So publizieren der größte (BioMed Central) und auch der wohl angesehenste Open-Access-Verlag (Public Library of Science, PLoS) ausschließlich Journals aus dem genannten Spektrum. Auch andere Erfolgsgeschichten des Open-Access-Publishing wurden vorrangig im Bereich Naturwissenschaften und Medizin geschrieben, so im Falle des Journals Atmospheric Chemistry and Physics (ACP).

Die Dominanz dieser Fächer im Open Access Publizieren rührt zum einen wohl von deren Publikationstraditionen her: Geringere Halbwertszeiten der Fachinformation erforderten schnelleren und unproblematischeren Zugang zu Dokumenten als es in anderen Fächern vielleicht nötig war. Zudem waren diese Fächer stärker als andere von den Engpässen in der wissenschaftlichen Literaturversorgung aufgrund der steigenden Journalpreise (und der daraus hervorgehenden Zeitschriftenkrise) betroffen und formulierten Alternativmodelle wie Open Access. Zu guter Letzt dürfte auch die höhere Technikaffinität der Wissenschaftler dieser Fächer zu einem Vorsprung im Open Access Publizieren geführt haben, da man verständlicherweise die Plattformen von Wissenschaftsverlagen nicht nutzen konnte und demzufolge die ersten Publikationsangebote in Eigenregie entwickelte und betrieb.

In den Sozialwissenschaften bestehen hingegen andere Ausgangsvoraussetzungen: Während in den oben erwähnten Fächern das Modell der Autorengebühren auch im konventionellen (Toll-Access-)Publizieren verbreitet und akzeptiert ist, ist es in den Sozialwissenschaften unüblich als Wissenschaftler für die Publikation eines Journalartikels zu zahlen. Laut einer Studie der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG aus dem Jahr 2005 waren nur 8,8% der Sozial- und Geisteswissenschaftler mit diesem Modus vertraut, bei den Ingenieurwissenschaftlern waren es 24,7%, bei Naturwissenschaftlern 50,3% und bei den Lebenswissenschaftlern (worunter auch Biologie und Medizin subsummiert sind) 79,7% (DFG 2005, S. 53). Dies bedeutet aber auch, dass das bei Open-Access-Journalen sehr verbreitete Modell der Finanzierung über Autorengebühren bei Sozialwissenschaftlern ungebräuchlich ist. Folglich lehnen Wissenschaftler aus den Geistes- und Sozialwissenschaften das Author-Pays-Modell für Open Access deutlich ab: In der erwähnten Studie sprachen sich nur 9% für diesen Modus aus. Unter den Befragten aus den Lebenswissenschaften waren dies 24,6%, bei den Naturwissenschaftlern 15,2% – einzig bei den Ingenieurwissenschaftlern stieß dieses Modell auf vergleichbare negative Resonanz. Sie waren nur in 8,2% der Fälle bereit Autorengebühren für Open-Access-Artikel zu akzeptieren (DFG 2005, S. 57).

  • Von wenigen Ausnahmen abgesehen (etwa dem Journal Forum Qualitative Sozialforschung FQS) existieren in den Sozialwissenschaften wenige akzeptierte Open-Access-Publikationsangebote, dies gilt vor allem für die in diesem Fachkontext sehr wichtigen Monografien. Der hohe Stellenwert der Monografien dürfte die Verbreitung von Open Access mindern, da im Open-Access-Monografiensektor generell wenige tragfähige Geschäftsmodelle zu finden sind. Dies dürfte teils durch spezifische Anforderungen im Monografiengeschäft bedingt sein, in dem Zusatzdienste wie Drucklegung, Satz, Lektorat einen anderen Stellenwert haben als im reinen Online Publizieren, das im Open-Access-Journalsektor nicht unüblich ist. Dazu kommt die erwähnte fehlende Tradition von Autorengebühren als Finanzierungsmodell.

Die im Vergleich zu Naturwissenschaften und Medizin geringere Verbreitung von Open Access in den Geistes- und Sozialwissenschaften ergibt sich demnach vorrangig aus Finanzierungsaspekten und den fehlenden Geschäftsmodellen. Dazu kommt die fachliche Präferenz für das Publizieren in Monografien, für die es in der Open-Access-Welt sehr wenige reputierte Anbieter gibt. Bezüglich des Geschäftsmodells sollte allerdings nicht vergessen werden, dass es mehr als fraglich ist, ob es in einem Segment, in dem so gut wie kein Endnutzergeschäft durch Verkäufe von wissenschaftlichen Monografien an natürliche Personen existiert, von einem Markt die Rede sein kann. Traditionell werden solche Monografien von wissenschaftlichen Bibliotheken stellvertretend für eine Vielzahl an Wissenschaftlern gekauft, womit der Markt und der Verkauf seit jeher von der öffentlichen Hand alimentiert sind.

Der Stellenwert der Monografien erschwert auch in anderer Hinsicht die Adaption von Open Access in den Sozialwissenschaften. Die aktuelle Förderlinie „Open Access Publizieren“ der DFG ermuntert deutsche Universitäten dazu, Open-Access-Publikationsfonds einzurichten: Vier Fünftel des Fonds werden von der DFG getragen und nur ein Fünftel von der jeweiligen Universität. Aus diesen Fonds können ausschließlich Publikationen in Open-Access-Journalen bestritten werden, nicht in Monografien. Die zusätzliche Bedingung wonach nur Publikationen in Journalen, die eine Qualitätssicherung über Peer Review betreiben, erstattet werden können schließt Organe, die andere Techniken der Qualitätssicherung (z.B. Editorial Review) anwenden, aus und bevorzugt tendenziell Journale aus dem naturwissenschaftlich-medizinischem Bereich. Da die DFG ihre Initiative nur als eine Art Anschubfinanzierung versteht, sollen diese Fonds mittelfristig zur Gänze von Universitäten getragen werden. Üblicherweise werden diese Fonds von den Hochschulbibliotheken verwaltet, die sich so in einem wandelnden Publikationswesen vom Literaturbeschaffer zu einem Berater in Publikationsstrategien entwickeln könnten. Damit einher gehen dürfte allerdings auch die Tendenz, den Literaturbeschaffungsetat zumindest teilweise in die besagten Publikationsfonds umzuwidmen – was vermutlich zu einer Schwächung des Erwerbungskontingents für Monografien zugunsten der journalfixierten Open-Access-Publikationsfonds führen dürfte: Eine Tendenz, die seit Aufkommen Zeitschriftenkrise im Subskriptionssegment (Kopp, 2000) besteht und nun in den Bereich des Open Access Publizierens durchschlagen könnte.

Die geringere Verbreitung von Open Access in den Sozialwissenschaften scheint aber vor allem strukturell bedingt, denn die Akzeptanz für Open Access ist nicht weniger ausgeprägt als in anderen Fächern: 68,7% der in der DFG-Studie befragten Sozial- und Geisteswissenschaftler bewerteten Open Access als Beitrag zur Verbesserung des Zugangs zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, über alle Fächer hinweg stimmten 68,8% der Wissenschaftler dieser Aussage zu (DFG 2005, S. 49). Zu ähnlichen Ergebnissen komme Sünje Dallmeier-Tiessen und Anja Lengenfelder (2011, S. 9) bei der Auswertung der Daten aus dem Projekt Study of Open Access Publishing (SOAP) für die deutschen Sozialwissenschaften: Sozialwissenschaftler schätzen Open Access in gleichem Ausmaß wie andere Wissenschaftler, allerdings publizieren sie deutlich weniger Artikel in Open Access Journalen.

 

Literatur

Dallmeier-Tiessen, S. & Lengenfelder, A. (2011). Open Access in der deutschen Wissenschaft – Ergebnisse des EU-Projekts „Study of Open Access Publishing“ (SOAP). GMS Medizin — Bibliothek — Information, 11(1-2), 1-12.
doi: 10.3205/mbi000218.

Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG (2005). Publikationsstrategien im Wandel? Ergebnisse einer Umfrage zum Publikations- und Rezeptionsverhalten unter besonderer Berücksichtigung von Open Access. Weinheim: Wiley. Online: http://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/evaluation_statistik/programm_evaluation/studie_publikationsstrategien_bericht_dt.pdf.

Kopp, H. (2000). Die Zeitschriftenkrise als Krise der Monographienbeschaffung. Bibliotheksdienst, 34(11), 1822-1827.
Online: https://doi.org/10.1515/bd.2000.34.11.1822

 

 

Journal of Serendipitous and Unexpected Results: Wissenschaft vom Unerwarteten

Gaston Bachelard formulierte treffend: „Wissenschaft gibt es nur vom Verborgenen“. In einer Zeit, in der zwischen 80% bis 90% aller Wissenschaftler, die jemals gelebt haben, leben (so 2003 Peter Weingarts Einschätzung aus seinem Werk Wissenschaftssoziologie) sollte aber immer weniger verborgen sein. Nicht umsonst stellen viele Wissenschaftler die Frage, ob sich die Zeit der Big Science und der großen wissenschaftlichen Durchbrüche dem Ende entgegen neigt und Erkenntnisgewinne zukünftig eher auf Ebene der Subdisziplinen und mit kleiner theoretischer Reichweite zu erwarten sind.

Die Herausgeber des Journal of Serendipitous and Unexpected Results (JSUR) haben offensichtlich ein Faible für Verborgenes. Weniger für das verborgene Unbekannte, sondern mehr für das Verborgene im Bekannten: den Widerspruch. JSUR, peer reviewed und Open Access, ermuntert Autoren zu Einreichungen, die (ich übersetze aus der Journal-Homepage) “verbreitete Annahmen in Frage stellen oder überraschende Phänomene aufdecken” sowie bestehenden und etablierten Hypothesen widersprechen. Widerspruch und Kritik sind zumindest normativ (etwa bei Karl Popper nachzulesen) konstituierende Elemente der Wissenschaftskommunikation. Faktisch werden in wissenschaftlichen Journalen Einreichungen eher positiv bewertet und publiziert, wenn sie verfestigte Theorien und Erklärungen nicht in Frage stellen. Widersprechen Studien etablierten Erklärungsmustern und den Resultaten der Studien, die diese Muster stützen oder sogar auf weitere Gegenstandsbereiche ausdehnen, wird es äußerst schwierig, die abweichenden Ergebnisse einem (Fach-)Publikum zugänglich zu machen. Das Verdienst des JSUR könnte es werden, eine überfachliche Publikationsoption für diese Befunde anzubieten: Unvoreingenommen und ohne Rücksicht auf Theorien, die in den Journals der einzelnen Fächer unantastbar scheinen. Obwohl JSUR sich vorrangig den Lebenswissenschaften widmet, dürfte es auch in den Sozialwissenschaften Bedarf an einem solchen Journal geben: Vermutlich könnten nicht wenige Ergebnisse aus immer wieder zitierten und unangefochtenen Untersuchungen in Replikationsstudien nicht verifiziert werden, z.B da bei der Analyse von Ursachen und Wirkungen Kontextvariablen wirken, die nie überprüft werden – weil die Ergebnisse mit gängigen Theorien und Erklärungen übereinstimmen. JSUR hat bislang zwar erst einen Artikel publiziert, aber dieser kombiniert vorzüglich Schalk mit Feyerabends Prinzip “anything goes”: In “Neural Correlates of Interspecies Perspective Taking in the Post-Mortem Atlantic Salmon: An Argument For Proper Multiple Comparisons Correction” stellen die Autoren Bennett et al. die Aussagekraft der Ergebnisse von Studien unter Verwendung der funktionellen Kernspintomografie in Frage. Diese wird (oder – dank JSUR – wurde) von Neurowissenschaftlern als die Methode schlechthin betrachtet, um aus neurologischen Aktivitätsmustern das Zustandekommen emotionaler Zustände oder kognitiver Prozesse zu erklären. Beliebte Anwendungsfelder waren unter vielen anderen die Erforschung von Psychopharmaka, der Wahrnehmung, der Informationsverarbeitung und selbstredend allem was mit Trieb und Emotion zu tun hat. Bennett und Kollegen untersuchten in der in JSUR publizierten Studie mittels funktioneller Kernspintomografie einen toten Lachs und siehe da: Das Gehirn des Fisches reagierte auf Bilder von Menschen in unterschiedlichen emotionalen Zuständen. Nach Ansicht der Autoren entsteht dieses Ergebnis, wenn keine Korrekturrechnung zu Eliminierung statistischer Verzerrungen vorgenommen werden – was halb so schlimm wäre, würden nicht 25 bis 40 Prozent der Analysen diese Korrekturrechnungen unterlassen (s. Bennett 2010).

Wissenschaftsranking: Hochschulen, Fächer, Wissenschaftler – One size fits all?

Auf der Suche nach Informationen zur Hochschulevaluierung in der Schweiz stieß ich auf zwei Ergebnisse:

  1. In der Schweiz wird im Wesentlichen der gleiche, kritisierbare “one size fits all”-Ansatz verfolgt wie in Deutschland.
  2. Eine Website, die in ihrem Methodenabschnitt sehr verständlich verallgemeinerbare Mängel der Rankings darstellt.

Als da (meiner auszugsweisen Meinung nach) wären

  • willkürliche Auswahl und Gewichtung von Dimensionen (Reputation, Forschungsqualität, Lehrqualität, …) als
  • Kriterien eines nicht definierten, abstrakten und willkürlichen Qualitätskonstrukts.
  • Quantifizierung der Eigenschaftsausprägungen der (nicht vergleichbaren) Messobjekte (Forschungsinstitute, die Forschung zum Auftrag haben, und Fachhochschulen, die Lehre zum Auftrag haben) auf diesen Dimensionen durch völlig beliebige Kriterien (Drittmitteleinwerbung, Publikationszahlen, Anzahl englischsprachiger Artikel, Zitationmuster, internationale Kooperation, Auszeichnungen, …)
  • und Messung der Ausprägungen dieser Eigenschaften in niemals auf Validität oder Reliabiltät geprüften Verfahren.

Man könnte die Liste länglich weiter fortführen; wer mehr, verständlich formuliert, über Rankings und Indexbildung lesen mag, ohne sich mit sozialwissenschaftlichen Methoden befassen zu wollen, dem sei auf die Schnelle dieses Paper empfohlen:

Michalke, M., Naß, O., & Nitsche, A. (2007). Mehr Humor und keine Katze – Rankingprodukte Marke Bertelsmann. In J. Wernicke & T. Bultmann (Eds.), Netzwerk der Macht – Bertelsmann (2nd ed., p. 111–139). BdWi Verlag. Online: http://www.reaktanz.de/blog/?e=112.

Und wie gesagt auch der bereits oben erwähnte Abschnitt der Seite http://www.universityrankings.ch, die tatsächlich gut informiert – mit der ich aber bei der Ratings-/Rankingsdiskussion in einem Punkt nicht d’accord bin: Sicher sind qualitative Erhebungen wie die Research Assessment Exercise in UK oder das Rating des Wissenschaftsrats für die Soziologie auch (und besonders) durch den qualitativen Erhebungsteil Verzerrungen unterworfen, die es zu kontrollieren gilt – aber ich tendiere zumindest dazu anzunehmen, dass Qualität, wie Schönheit, im Auge des Betrachters entsteht und nicht in aufaddierten Fördersummen, Promovendenzahlen oder obskuren, oft unüberprüften Publikationslisten.

Information, Wissenschaft & Praxis IWP ab 2012 bei De Gruyter: die Open-Access-Flaute hält an

Am vergangenen Samstag gab die Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis e.V. (DGI) den Beschluss bekannt, ihre Fachzeitschrift „Information, Wissenschaft und Praxis (IWP)“ ab 2012 mit dem Verlagspartner De Gruyter herauszugeben. Begründet wird diese Entscheidung so:

„Der Vorstand der DGI erwartet von der Zusammenarbeit mit De Gruyter neben einer größeren wissenschaftlichen Reputation eine Erhöhung der Reichweite der IWP sowie die Gewinnung weiterer Abonnenten im In- und Ausland. Die Zeitschrift wird sechs Mal im Jahr gedruckt und online erscheinen.“

Man mag fragen warum die IWP, wenn sie denn schon endlich online erscheint, nicht Open Access geht. Schließlich werden als Vorteile von Open Access unter anderem die Erhöhung der Reichweite und der (in Zitationen gemessenen) Reputation wissenschaftlicher Publikationen beschrieben – für Informationspraktiker doch sicher zugkräftige Argumente. Und überhaupt: Verbandzeitschriften, die erfolgreich ins Open-Access-Modell überführt wurden, gibt’s ja auch – vielleicht hätte die DGI sich von diesen inspirieren lassen können. Aber vielleicht hat man in der DGI diese Fragen erörtert und sich bewusst gegen das Open-Access-Modell entschieden; dies vermute ich zumindest. Aber das soll mich nicht scheren, ich bin zwar an einem DGI-Arbeitskreis beteiligt, aber kein Mitglied und lese die IWP nur sporadisch.

Mich tangiert diese Entscheidung allerdings in anderer Hinsicht: Zum einen als Vielschreiber (ein Kollege nannte mich mal äußerst despektierlich „graphoman“) in einem Themenkomplex, für den in Deutschland die IWP einer der wenigen Publikationsorte ist. Bislang habe ich zwei Artikel in der IWP publiziert, beide Male habe ich per Mail abgeklärt, dass ich den Preprint des Artikels unmittelbar nach Erscheinen des Heftes auf einem Repository Open Access stellen kann. Diese Kulanz kann ich, zumindest nach SHERPA-RoMEO-Eintrag des Verlages De Gruyter, auch heute erwarten.

sherpa_de_gruyter

Die wichtigsten Bedingungen lauten (sofern ich sie richtig deute): Preprints dürfen offensichtlich sofort Open Access gestellt werden, Postprints (in der Verlagsfassung) nach 12 Monaten unter Berücksichtigung handelsüblicher, aber akzeptabler Bedingungen (Verlinkung zur Verlagsversion etc.). Ein Embargo von 12 Monaten finde ich reichlich lange, aber wenn ich den Preprint wirklich sofort Open Access stellen kann, würde mir das genügen. Allerdings ist von der Open-Access-Option für Preprints auf der eigentlichen De Gruyter Website keine Rede.

Traurig ist, und das wird mir nun wieder klar, dass es für den Bereich Informationswissenschaft/ E-Publishing/ Digital Library in Deutschland weder eine wirklich gute Zeitschrift überhaupt und erst recht kein echtes Open Access Journal gibt, zumindest fällt mir aus dem Stand keines ein: IWP habe ich gerade diskutiert, der Bibliotheksdienst hat einen (man kann es ihm nicht verdenken) starken Fokus auf Bibliotheken (und den Erfahrungsaustausch zwischen Bibliotheken), die Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie ZfBB wandelt thematisch meist auf eingetretenen Pfaden (ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt einen ZfBB-Artikel gelesen habe) und hat eine problematische Stellung zu Open Access. Mir fiele noch LIBREAS ein: Open Access, inhaltlich interessant & meistens gut, gut gemacht, mit einem sehr breiten Scope – für mich meist zu weit. Aber zumindest fällt mir sofort der letzte LIBREAS-Artikel ein, den ich gelesen habe.

Kurzum: Interessante Infowiss-Journals finde ich in Deutschland kaum und die IWP ist auch nicht so gut, dass ich sie unbedingt lesen muss. Dieser Mangel an guten Journals ist schade. Schade ist auch, dass eines der immerhin besseren, die IWP, es verpasst hat, sein Publikationsmodell zu reformieren und nun eine Partnerschaft mit einem Verlag eingeht, der eine auf den ersten Blick recht undurchsichtige Paid-Open-Access-Option anbietet: 1.750 € für einen Open-Access-Artikel in IWP? Pardon, so gut ist die IWP lange nicht. Zudem werden solche Artikel nicht mal unter eine Creative Commons Lizenz gestellt und ob ich den Artikel auf einem Repository meiner Wahl Open Access stellen kann, erschließt sich mir auf den ersten Blick auch nicht.

Was bleibt? Für mich die Erkenntnis, dass ich (sofern De Gruyter wirklich erlaubt, Preprints Open Acccess zu stellen) vermutlich weiter Artikel bei der IWP einreichen werde und den Preprint Open Access bringe. Und die Erkenntnis, dass man eigentlich ein besseres Journal als die IWP brauchen und schaffen könnte – Open Access & Creative Commons inklusive.

 

Online: Folien zum Workshop Publikationsstrategien an der Fakultät Gesellschaftswissenschaften der Universität Duisburg – Essen

Im Rahmen der Graduiertenförderung in den Gesellschaftswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen moderierte ich am 17.06.2011 einen Workshop zum Thema “Publikationsstrategien”, die Folien stehen unter einer Creative Commons Lizenz (CC BY) zum freien Download bereit: Wer mag, kann Sie unter Namensnennung des Urhebers weiterverbreiten, verändern oder anderweitig verwerten. Teilnehmer des Workshops waren Promovierende aus den Fächern Soziologie und Politikwissenschaft. Auf besonderes Interesse stießen die Qualitätssicherung wissenschaftlicher Dokumente, die Wahl des passenden Publikationsortes und erfreulicherweise das Thema Open Access, das (von wenigen lobenswerten Ausnahmen abgesehen) in den Sozialwissenschaften stiefmütterlich behandelt wird: So hat die Deutsche Gesellschaft für Soziologie es bis heute nicht geschafft, die Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen zu unterzeichnen – genausowenig wie die Fachgesellschaft für Politikwissenschaft. Ebenfalls mehr als erfreulich: Die Aufgeschlossenheit der Nachwuchswissenschaftler zum offenen Zugang zu Forschungsdaten in den Sozialwissenschaften. Vielleicht legen die Digital Natives doch einen intuitiven Umgang mit immateriellen Gütern an den Tag.